Januar 2015

Boyd kämpft jetzt neben dem Spielfeld


Terrence Boyd war nach seinem Wechsel von Austria Wien gerade gut beim ambitionierten Zweitligisten RB Leipzig angekommen, schoss seinen Klub unter anderem zum Sieg gegen den FC St. Pauli und zog sich dann gegen FC Ingolstadt einen Kreuzbandriss zu. Jetzt hilft ihm seine Nordbremer Heimat – in der er in seinen Anfängen für den 1. FC Burg und den TSV Lesum-Burgdamm kickte – mit der Familie und den Jugendfreunden, um in schweren Zeiten wieder auf die Beine zu kommen. Und sie hilft auch, wenn es im schnelllebigen Fußball-Geschäft gut läuft, die Bodenhaftung zu wahren. „Durch die Einstellung, sich nie zufriedenzugeben, ist alles möglich“, sagt Terrence Boyd. In seiner noch jungen Karriere als Profi-Fußballer hat der gebürtige Vegesacker trotzdem durch seine Stationen beim FC Bremerhaven, bei Hertha BSC Berlin II in der Regionalliga Nord, bei Borussia Dortmund in der Regionalliga West und in der vergangenen Saison beim österreichischen Erstligisten Rapid Wien schon viel gesehen und viel erlebt. Er schoss die Dortmunder mit 20 Saisontoren zur Meisterschaft und schnupperte bereits durch 13 Europa-League-Einsätze für Wien und zwölf Spiele für die A-Nationalmannschaft der USA internationale Luft. Und Boyd, der eine deutsche Mutter und einen US-amerikanischen Vater hat, stand im vorläufigen 30-köpfigen Kader für die Weltmeisterschaft 2014, zählte allerdings kurz vor dem Abflug nach Brasilien zu den sieben Streichkandidaten des Jürgen Klinsmann.
Sein Wechsel zu RasenBallsport Leipzig wurde von den Medien als „Königstransfer“ des Vereins betitelt. Zwei Millionen Euro legten die Leipziger um Sportdirektor Ralf Rangnick auf den Tisch, um ihn aus Österreich wieder in seine deutsche Heimat zu holen. Trotz des schwierigen Starts bei den Leipzigern zeigte sich der 23-Jährige sehr glücklich über den Wechsel zum Zweitliga-Aufsteiger: „Der Schritt zu RB Leipzig war auf jeden Fall der richtige. Ich fühle mich hier total wohl. Das Umfeld, das Team, der Trainerstab und generell die Bedingungen sind einfach nur top.“
Dabei war es noch gar nicht sicher, dass Boyd wieder in Deutschland landen würde. Einige Klubs bemühten sich um den US-Nationalspieler. Unter anderem streckten Wigan Athletic aus der zweithöchsten englischen Spielklasse und der Traditionsverein Sporting Lissabon ihre Arme nach dem talentierten Stürmer aus. Letzterer Verein bildete Spieler wie Luis Figo und Cristiano Ronaldo aus.
Die erste Liga im Visier
Doch Boyd musste nicht lange überlegen: „Ich wollte unbedingt wieder nach Deutschland. Ich wusste, dass die zweite Liga mit RB dann nicht die letzte Station sein wird. Ziel ist es natürlich, irgendwann in die Bundesliga aufzusteigen.“ Zudem habe er nach zwei Jahren bei Rapid gemerkt, mit Österreich fertig zu sein. „Ich brauche einfach das Gefühl eines hohen Widerstands, sonst entwickelt man sich nicht weiter. Am Ende war das nicht mehr gegeben.“ Noch immer pflegt er unter anderem Kontakt zum ehemaligen Bundesligaspieler Thanos Petsos und dem in Bremervörde geborenen Brian Behrendt. „Rapid Wien war mit die schönste Zeit bisher und ich werde für immer ein Stück Rapider bleiben“ (Boyd).
Doch es soll nun mal vorangehen mit der Karriere, und mit der Rückkehr nach Deutschland lebt der Traum von der ersten Bundesliga. Gerade mit dem Zweitbundesliga-Neuling Leipzig hat er nun einiges vor, auf kurz oder lang wird der Aufstieg des derzeitigen Tabellensiebten in die erste Fußball-Bundesliga angestrebt. Allerdings lief es für den ehrgeizigen Bremer noch nicht ganz rund beim neuen Verein. Bereits vor dem Start in die zweite Bundesliga verletzte sich Boyd am Knie und verpasste somit den 2:1-Erfolg seiner Elf im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten SC Paderborn und die ersten neun Spieltage in der Liga. Sein Debüt in der zweithöchsten deutschen Spielklasse gab er beim 0:1 gegen Bundesliga-Absteiger Nürnberg.
Nur zwei Wochen später durfte Boyd erstmalig im DFB-Pokal auflaufen. Gegen Erzgebirge Aue wurde er in der 61. Minute eingewechselt und entschied die Partie schließlich in der Verlängerung mit seinem Kopfball zum 3:1-Endstand. „Das Tor gegen Aue war eine große Erleichterung. Da ich zum Saisonbeginn ausgefallen bin, wollte ich zeigen, wofür ich gekommen bin“, meinte Boyd.
Kurz darauf vertraute ihm Leipzig-Trainer Alexander Zorniger gegen den SV Darmstadt einen Platz in der Startformation an. Doch Boyd überzeugte erst einen Spieltag später beim 4:1-Heimerfolg gegen den Traditionsverein FC St. Pauli. Dort avancierte er mit seinen ersten beiden Treffern in der Liga zum Mann des Tages und war unheimlich glücklich: „Das Pauli-Spiel war überragend. Wir haben sie vor einer großartigen Kulisse stark ausgepowert und es war cool, endlich mal in der Liga getroffen zu haben.“
Wenig später musste Boyd den ersten großen Rückschlag in seiner Profikarriere hinnehmen. Im Spiel gegen den FC Ingolstadt riss er sich in der 31. Minute das Kreuzband und wurde Anfang Dezember erfolgreich in Augsburg operiert. Im Februar soll die Reha beginnen. Doch Boyd ist ein Kämpfer und gibt sich auch als solcher: „Gerade wenn du gekauft wurdest, willst du allen zeigen, dass es sich auch auszahlt und ich zu Recht verpflichtet wurde. Leider weiß man im Fußball nie, wann man sich verletzt. In meinem Fall ist das Timing sehr ungünstig, aber das ist alles Schicksal. Wenn so etwas passiert, passiert es eben. Wichtig ist, positiv zu bleiben und die Zeit dafür zu nutzen, um mental und physisch stärker zurückzukommen.“
Um den Kopf ein wenig frei zu bekommen, verbrachte er die Weihnachtszeit in Bremen-Nord bei seiner Mutter und seiner Schwester. Noch heute hilft ihm der Kontakt zu seinen besten Schulkameraden, um nicht abzuheben. „Gerade im Leistungssport ist es ein sehr schmaler Grat. Da hilft es schon, wenn du weißt, was für einen langen Weg du hinter dir hast.“
Traumverein Arsenal
Gerne erinnert er sich an seine Jugendvereine 1. FC Burg oder den TSV Lesum-Burgdamm. Und natürlich verfolgt er den Weg von SV Werder Bremen. Trotz der weiten Wege, die Terrence Boyd mit seinen 23 Jahren bereits hinter sich hat, weiß man nie, wohin es ihn noch verschlägt. Und vielleicht wird sein Traum, einmal beim FC Arsenal London zu spielen, ja irgendwann auch noch wahr. Durch die Einstellung, sich nie zufriedenzugeben, ist laut Terrence Boyd ja schließlich alles möglich.
„Ich brauche einfach das
Gefühl eines hohen Widerstands, sonst entwickelt man sich nicht weiter.“
Terrence Boyd

Quelle: Die Norddeutsche

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